Reise- und Erfahrungsberichte
Ein Bericht von Fritz Hägele
Feierliche Einweihung des Zentrums für geistig behinderte Erwachsene in GOPAVARAM
Am 19.12.2020 wurde unser neu erbautes Zentrum für 100 geistig behinderte Erwachsene eingeweiht.
Nach der gemeinsamen Messe, an der die Gäste, Ordensschwestern, Mitarbeiter und alle Behinderte in Gopavaram teilnahmen,
nahm Bischof Anthony Poola (Bischof der Diözese Kurnool und neu ernannter Erzbischof von Hyderabad) die Weihe und die Eröffnung des Gebäudes vor.
Vor 28 Jahren begannen wir in Gopavaram mit einer Schule und einem Internat für Geistig Behinderte.
Die Kinder von damals sind in der Zwischenzeit erwachsen. Hier werden sie nun in Vierergruppen mit jeweils einem Betreuer wohnen. Wir werden unsere Behindertenwerkstatt so ausbauen, dass jeder der arbeiten kann, hier einen Platz findet. Es ist angedacht, dass die Behinderten hier bis an ihr Lebensende bleiben können.
Am 19.12.2020 wurde unser neu erbautes Zentrum für 100 geistig behinderte Erwachsene eingeweiht.
Nach der gemeinsamen Messe, an der die Gäste, Ordensschwestern, Mitarbeiter und alle Behinderte in Gopavaram teilnahmen,
nahm Bischof Anthony Poola (Bischof der Diözese Kurnool und neu ernannter Erzbischof von Hyderabad) die Weihe und die Eröffnung des Gebäudes vor.
Vor 28 Jahren begannen wir in Gopavaram mit einer Schule und einem Internat für Geistig Behinderte.
Die Kinder von damals sind in der Zwischenzeit erwachsen. Hier werden sie nun in Vierergruppen mit jeweils einem Betreuer wohnen. Wir werden unsere Behindertenwerkstatt so ausbauen, dass jeder der arbeiten kann, hier einen Platz findet. Es ist angedacht, dass die Behinderten hier bis an ihr Lebensende bleiben können.
Ein Bericht von Günter und Angelika
Für uns war es ein tolles Erlebnis und eine fantastische Erfahrung, in eine uns bis dahin fremde Welt voller Farben, exotischer Düfte und vor allem vieler wunderbarer Menschen einzutauchen. Besonders angetan waren wir von der indischen Gastfreundschaft, den begeisterten Empfängen, dem fröhlichen Lachen der Kinder und ihrer natürlichen Unbefangenheit und Neugierde. Wir sind tief beeindruckt von dem, was Father Marreddy mit der sehr tatkräftigen Unterstützung von Fritz Hägele in den letzten Jahrzehnten mit den Spendengeldern geschaffen und vielfältig Gutes getan hat, um insbesondere den Kindern und Unterprivilegierten eine Zukunftsperspektive zu geben. Erschüttert sind wir über die Lebensbedingungen, die hygienischen Verhältnisse unter denen so viele Menschen in Indien leben und sind überzeugt, dass sich diese nur durch bessere Bildungsmöglichkeiten langfristig verändern lassen.
ein Bericht von Fritz Hägele
Corona Pandemie in Indien (Stand April 2020)
Corona Pandemie in Indien (Stand April 2020)
Mit einer zeitlichen Verzögerung von etwa zwei Wochen zu Deutschland hat das SARS-CoV-2 Virus Indien mit voller Wucht erreicht. Von der Verkündigung bis zum Inkrafttreten des „Lockdown“ waren es nur viereinhalb Stunden, in denen sich 1,3 Milliarden Menschen mit Lebensmitteln, Medikamenten und sauberem Trinkwasser eindecken konnten! Das gab in den Supermärkten ein dichtes Gedränge, bei dem sich viele Menschen mit dem Virus ansteckten.
Durch den rigorosen „Shutdown“ wurden Millionen von Menschen schlagartig arbeitslos. Rund drei Viertel der Gesamtbevölkerung von 1,3 Milliarden, die als Tagelöhner, Straßenverkäufer, Näherinnen oder Rikschafahrer ihren Lebensunterhalt verdienten, standen auf einmal vor dem Nichts und wussten nicht mehr, wie sie sie sich und ihre Familien ernähren sollten. Hunderttausende arbeitslose Wanderarbeiter strandeten in den Peripherien der großen Städte und versuchten nach Hause in ihre Heimatdörfer zu kommen, weil sie glaubten, dort eher überleben zu können. Da keine Züge und Busse mehr verkehrten, mussten sie oft Hunderte von Kilometern zu Fuß bei sengender Hitze, unzureichender Ernährung und unzureichendem oder fehlendem Schuhwerk zurücklegen. Viele brachten dabei den Virus von den Städten in die Dörfer.
Zwei Wochen gab es eine totale Ausgangssperre. Niemand dufte das Haus verlassen, auch nicht zum Einkaufen von Lebensmitteln. Danach wurde das wenigstens erlaubt. Aber die armen Familien hatten kein Geld mehr, um Lebensmittel zu kaufen.
So begannen wir mit unserer Aktion „Überlebenspakete“.
Marreddy und sein Team fanden Supermärkte (in der Zwischenzeit wurden Lebensmittel kontigentiert), bei denen sie noch große Mengen für unsere Aktion einkaufen konnte. 1200 solcher Pakete wurden geschnürt und von Marreddy und den Ordensschwestern verteilt. Ein Paket enthielt 10 kg Reis, Linsen, Gewürze, Salz, Kokosnusspulver, 1 Liter Speiseöl und Hygieneartikel im Wert von 10 Euros. Die wurden dann im Slumgebiet von Nandyal und in den Dörfern rings um Nandyal verteilt. Die Dorfältesten suchten die ärmsten Familien aus und unter Polizeischutz wurden die Überlebenspakete verteilt. Das half den Familien einige Zeit über die Runden zu kommen. Ich habe Bilder von den Verteilungsaktionen und von der aktuellen Not in Rundmails an unsere Spender versandt, von denen ich Mailadressen hatte. Dabei erfuhren wir eine große Solidarität und Hilfe, sodass wir die Aktionen in vielen Dörfern machen konnten.
Ab Anfang Juni wurde das „Shutdown“ etwas gelockert und die Menschen können sich ihren Lebensunterhalt nun wieder selber verdienen. Aber das Virus breitet sich vehement aus, denn in Indien ist „Abstand halten“ und das „häufige Hände waschen“ nicht möglich. Es gibt in den Häusern kein fließendes Wasser und der Brunnen ist oft weit weg. Die Schulen sollen offiziell erst in der zweiten Septemberwoche wieder geöffnet werden. Auch wir mussten leider unsere Schüler zu Beginn des „Shutdown“ entlassen, obwohl sie in unseren Schulen sicherer gewesen wären.
Da in Indien das Gesundheitswesen schlecht aufgestellt ist und nur wenige Intensivbetten zur Verfügung stehen, wird die Zahl der Corona-Toten sehr hoch werden. Marreddy teilte uns mit, dass es in der Stadt Nandyal und in den Dörfern um unsere Einrichtungen herum schon viele coronainfizierte Patienten gibt.
Laut den neuesten Zahlen aus dem Internet gibt es in Indien Ende Juni 2020 innerhalb 24 Stunden 35.000 Neuansteckungen und die Zahl der Infizierten liegt bei über drei Millionen. Allerdings dürfte wegen der geringen Testkapazitäten die Dunkelziffer sehr hoch sein. Indien steht mit der Zahl der Infizierten und der coronabedingten Todesfällen (26.000) nach USA und Brasilien an dritter Stelle in der Welt. Corona hat vor allem den Ärmsten der Armen jegliche Lebensperspektive zerstört.
Während die Aufmerksamkeit der Welt sich auf Europa, die USA und Südamerika konzentriert hat, bahnt sich in Südasien eine humanitäre Katastrophe an. Nicht nur in den großen Millionenstädten breitet sich der Erreger aus, sondern auch in kleinen Städten und in ländlichen Gebieten.
Zwei Wochen gab es eine totale Ausgangssperre. Niemand dufte das Haus verlassen, auch nicht zum Einkaufen von Lebensmitteln. Danach wurde das wenigstens erlaubt. Aber die armen Familien hatten kein Geld mehr, um Lebensmittel zu kaufen.
So begannen wir mit unserer Aktion „Überlebenspakete“.
Marreddy und sein Team fanden Supermärkte (in der Zwischenzeit wurden Lebensmittel kontigentiert), bei denen sie noch große Mengen für unsere Aktion einkaufen konnte. 1200 solcher Pakete wurden geschnürt und von Marreddy und den Ordensschwestern verteilt. Ein Paket enthielt 10 kg Reis, Linsen, Gewürze, Salz, Kokosnusspulver, 1 Liter Speiseöl und Hygieneartikel im Wert von 10 Euros. Die wurden dann im Slumgebiet von Nandyal und in den Dörfern rings um Nandyal verteilt. Die Dorfältesten suchten die ärmsten Familien aus und unter Polizeischutz wurden die Überlebenspakete verteilt. Das half den Familien einige Zeit über die Runden zu kommen. Ich habe Bilder von den Verteilungsaktionen und von der aktuellen Not in Rundmails an unsere Spender versandt, von denen ich Mailadressen hatte. Dabei erfuhren wir eine große Solidarität und Hilfe, sodass wir die Aktionen in vielen Dörfern machen konnten.
Ab Anfang Juni wurde das „Shutdown“ etwas gelockert und die Menschen können sich ihren Lebensunterhalt nun wieder selber verdienen. Aber das Virus breitet sich vehement aus, denn in Indien ist „Abstand halten“ und das „häufige Hände waschen“ nicht möglich. Es gibt in den Häusern kein fließendes Wasser und der Brunnen ist oft weit weg. Die Schulen sollen offiziell erst in der zweiten Septemberwoche wieder geöffnet werden. Auch wir mussten leider unsere Schüler zu Beginn des „Shutdown“ entlassen, obwohl sie in unseren Schulen sicherer gewesen wären.
Da in Indien das Gesundheitswesen schlecht aufgestellt ist und nur wenige Intensivbetten zur Verfügung stehen, wird die Zahl der Corona-Toten sehr hoch werden. Marreddy teilte uns mit, dass es in der Stadt Nandyal und in den Dörfern um unsere Einrichtungen herum schon viele coronainfizierte Patienten gibt.
Laut den neuesten Zahlen aus dem Internet gibt es in Indien Ende Juni 2020 innerhalb 24 Stunden 35.000 Neuansteckungen und die Zahl der Infizierten liegt bei über drei Millionen. Allerdings dürfte wegen der geringen Testkapazitäten die Dunkelziffer sehr hoch sein. Indien steht mit der Zahl der Infizierten und der coronabedingten Todesfällen (26.000) nach USA und Brasilien an dritter Stelle in der Welt. Corona hat vor allem den Ärmsten der Armen jegliche Lebensperspektive zerstört.
Während die Aufmerksamkeit der Welt sich auf Europa, die USA und Südamerika konzentriert hat, bahnt sich in Südasien eine humanitäre Katastrophe an. Nicht nur in den großen Millionenstädten breitet sich der Erreger aus, sondern auch in kleinen Städten und in ländlichen Gebieten.
Ein Bericht von Uli
Es war eine sehr spannende und interessante Reise in eine fremde Welt mit krassen Gegensätzen. Einerseits Not, Elend und Dreck an den Straßen und in den Dörfern, andererseits unsere Projekte, die wahre Leuchttürme sind! Ich habe darüber gelesen und aus Erzählungen gehört, aber erst wenn man selbst vor Ort ist, kann man richtig begreifen, was da wirklich passiert... Es war beeindruckend zu sehen, mit wie viel Herzblut diese jeweils geführt und betrieben werden. Ebenso beeindruckend war der Eifer der Kinder, die wissen, was sie für eine Chance haben. Es bleiben viele Erinnerungen an lachende Kinder, an gefühlt tausende von geschüttelten Händen, Fotos und Selfies, dankbare Kinderaugen, Tänze, Lieder, Reden, laue Abende auf dem Dach, an zwar chaotischen, aber trotzdem funktionierenden Straßenverkehr, buntes Markttreiben und nicht zuletzt an angenehm scharfes und leckeres Essen... Schee war's!
Ein Bericht von Michael
(Pastoralreferent in der Seelsorgeeinheit Talgang, Albstadt Tailfingen, Reise 2018)
Alle Einrichtungen waren geprägt von Menschen, von Kindern und Jugendlichen, Behinderten und Gesunden, Lehrerinnen und Lehrern, Kranken- und Ordensschwestern, die uns in ihr Herz schlossen: Nicht nur Blumenkränze, farbige Punkte auf der Stirn und gemeinsame Fotos, sondern noch mehr die großen Verständigungsversuche mit Händen und Füßen, die große Freude über unsere bloße Anwesenheit und der Wunsch nach Aufmerksamkeit waren es, die eine eigene Sprache sprachen.
Noch ein zweites Bild brachte ich mit zurück:
Die Examensfeier von jungen Krankenschwestern in Polur. Die (oft zurecht) viel gescholtene katholische Kirche bildet hier junge Frauen aus, gibt ihnen damit die Möglichkeit zu einem selbstbestimmten Leben und einer sinnvollen beruflichen Zukunft und das in einem Land, in dem Frauen eine sehr niedrige soziale Stellung haben. Wir waren Ehrengäste – bei der Licht-Zeremonie – und ich dachte spontan an den Satz: „Es ist besser ein Licht anzuzünden, als über die Dunkelheit zu schimpfen.“
Ein drittes Bild:
Wir wohnten in der Nähe des Schulhofes des Internates und der Schule der gehörgeschädigten Kinder. Täglich neu wurden wir bestaunt, befragt, berührt, mit und ohne Worte, aber immer mit Herz. Als ich dann sah, dass ihr persönliches Hab und Gut in einen größeren Karton passt, verstärkte sich meine Frage: Was braucht es, um zufrieden zu sein? Und ich dachte beschämt daran, dass mein Reisekoffer für 10 Tage größer war als die meisten der Kartons der Kinder für das gesamte Schuljahr im Internat. Doch wichtiger als die Größe und das Gewicht meines Koffers war das sichere Gefühl beim Abflug: Ich habe hier Freunde und Freundinnen gewonnen – und ich komme wieder.
Alle Einrichtungen waren geprägt von Menschen, von Kindern und Jugendlichen, Behinderten und Gesunden, Lehrerinnen und Lehrern, Kranken- und Ordensschwestern, die uns in ihr Herz schlossen: Nicht nur Blumenkränze, farbige Punkte auf der Stirn und gemeinsame Fotos, sondern noch mehr die großen Verständigungsversuche mit Händen und Füßen, die große Freude über unsere bloße Anwesenheit und der Wunsch nach Aufmerksamkeit waren es, die eine eigene Sprache sprachen.
Noch ein zweites Bild brachte ich mit zurück:
Die Examensfeier von jungen Krankenschwestern in Polur. Die (oft zurecht) viel gescholtene katholische Kirche bildet hier junge Frauen aus, gibt ihnen damit die Möglichkeit zu einem selbstbestimmten Leben und einer sinnvollen beruflichen Zukunft und das in einem Land, in dem Frauen eine sehr niedrige soziale Stellung haben. Wir waren Ehrengäste – bei der Licht-Zeremonie – und ich dachte spontan an den Satz: „Es ist besser ein Licht anzuzünden, als über die Dunkelheit zu schimpfen.“
Ein drittes Bild:
Wir wohnten in der Nähe des Schulhofes des Internates und der Schule der gehörgeschädigten Kinder. Täglich neu wurden wir bestaunt, befragt, berührt, mit und ohne Worte, aber immer mit Herz. Als ich dann sah, dass ihr persönliches Hab und Gut in einen größeren Karton passt, verstärkte sich meine Frage: Was braucht es, um zufrieden zu sein? Und ich dachte beschämt daran, dass mein Reisekoffer für 10 Tage größer war als die meisten der Kartons der Kinder für das gesamte Schuljahr im Internat. Doch wichtiger als die Größe und das Gewicht meines Koffers war das sichere Gefühl beim Abflug: Ich habe hier Freunde und Freundinnen gewonnen – und ich komme wieder.
Michael
Ein Bericht von Christina (19 J.)
Wenn ich über die ersten Feiertage der kalten Jahreszeit nachdenke, Allerheiligen und Allerseelen, oder mich an die letzten Jahre erinnere, springen mir sofort die Worte „Wintermantel“, „dunkel“, und von ganz früher sogar das Wort „gruselig“ im Kopf herum. Seit meiner Kindheit, fahren wir jedes Jahr am 1. November zu den Gräbern unserer Familie. Dick eingepackt in warme Winterjacken machen wir uns auf zum Friedhof, im Gepäck 1-3 herbstliche Gestecken, sowie 3-5 Grablichter. Es ist immer schon dunkel und über den Friedhof schleichen meist noch weitere Familien; wie wir eingemummelt, still und der Angehörigen gedenkend.
Dieses Jahr fällt Allerheiligen für mich aus. – Dachte ich. Wie so ziemlich jeder Abiturient/-in, der /die sich nicht direkt an die nächste Uni aufgemacht hat, hatte ich mich entschlossen, eine Weile im Ausland zu verbringen. Für mich fiel die Wahl auf Indien.
Untergebracht bei katholischen Ordensschwestern, hätte es mir eigentlich durchaus vorher in den Sinn kommen können: Natürlich feiert man hier die gleichen katholischen Feste wie zuhause! Nur „auf indisch“ konnte ich mir das Ganze nicht vorstellen.
Wie also schaut das Allerseelenfest fast 9000 km von zuhause entfernt, bei Temperaturen zwischen 20 und 45 Grad Celsius in einem von einer ganz anderen Religion geprägten Land aus?
Anders als zuhause ist der 1. November kein Feiertag. Wie auch, in einem hinduistischen Land? Wir gehen am 2. November, Allerseelen und auch kein Feiertag, auf den Friedhof. Ähnlich wie in Deutschland, wollen wir am späten Nachmittag los; es ist noch hell, mein Handy zeigt mir 37 Grad an. Daraufhin lasse ich es in meinem Zimmer zurück, weil mich das meinen Wintermantel vermissen lässt. Und natürlich wegen der Messe, die später auf dem Friedhof stattfinden wird und bei der ich nicht unnötige Aufmerksamkeit auf mich ziehen will, falls jemand meint, mich in diesen Stunden erreichen zu müssen.
Als wir das Friedhofsgelände betreten, habe ich das Gefühl, dass ich das Fest nie wieder mit dem Wort „gruselig“ in Verbindung bringen werde: Jedes Grab ist mit weißem Pulver und anschließend mit so vielen leuchtend gelben Blütenblättern überschüttet worden, dass man das Pulver wiederrum nur erahnen kann und der ganze Friedhof wie ein riesiges Blumenmeer wirkt.
Der Friedhof ist voll mit Leuten, Frauen in Saris in allen nur erdenklichen Farben und Mustern, was die Farbpalette des Tages noch größer werden lässt. Niemand trägt hier dunkle Töne, geschweige denn Winterjacken. Alle machen sich eifrig auf, die Gräber ihrer Angehörigen mit noch mehr Blumenschmuck in warmen rot-orange-gelb-Tönen zu verschönern. Und auch Kerzen werden auf die Gräber gestellt oder vielmehr in sie gesteckt, gleich neben den ca. 10 Räucherstäbchen pro Grab, an denen an einem indischen Fest kein Weg vorbei führt. An diesem Punkt bin ich fast froh, dass das Christentum in Indien nur eine Minderheit von 2,3% darstellt. Wären es mehr Christen, müssten wir vor lauter Räucherstäbchen-Qualm auf der Rückfahrt mit Sicherheit das Fernlicht einschalten.
Die Messe beginnt um 17.00 Uhr und findet auf dem Friedhof statt, so dass jeder beim Grab der eigenen Familie bleiben kann. Sie ist auf Telugu, der lokalen Sprache. Ich verstehe demnach nichts, aber das muss ich auch gar nicht. Denn wenn eines bei den vielen Unterschieden gleich bleibt, dann ist es der Glaube, den wir miteinander in der Liturgie teilen.
Langsam dämmert es auch in Indien und es werden die Lichterketten erkennbar, die den Friedhof umsäumen. Ab und an klingelt ein Handy, das des Hauptzelebranten. Er hat es offensichtlich nicht zuhause gelassen. Ihm war auch nicht zu warm. Außerdem ist Indien, was Technik angeht, sowieso immer voll ausgerüstet. Auch die Lautsprecheranlage dröhnt so laut, dass man es vermutlich noch drei Dörfer weiter hören kann.
Barfuß gehen wir zur Kommunion, auch das ist typisch indisch. Nach dem Segen gehen alle, diesmal mit Schuhen, nach Hause – oder bleiben noch auf dem Friedhof; ganz wie man mag.
Dieses Fest auf indisch zu erleben, lässt mich meine Worte vom Anfang vergessen. Eine Winterjacke braucht hier niemand, dunkel wird es zwar schon, aber nicht auf dem Friedhof, der ist hell erleuchtet. Und gruselig ist nur die Tatsache, dass ich es auf einmal gar nicht mehr so gruselig finde.
Christina
Untergebracht bei katholischen Ordensschwestern, hätte es mir eigentlich durchaus vorher in den Sinn kommen können: Natürlich feiert man hier die gleichen katholischen Feste wie zuhause! Nur „auf indisch“ konnte ich mir das Ganze nicht vorstellen.
Wie also schaut das Allerseelenfest fast 9000 km von zuhause entfernt, bei Temperaturen zwischen 20 und 45 Grad Celsius in einem von einer ganz anderen Religion geprägten Land aus?
Anders als zuhause ist der 1. November kein Feiertag. Wie auch, in einem hinduistischen Land? Wir gehen am 2. November, Allerseelen und auch kein Feiertag, auf den Friedhof. Ähnlich wie in Deutschland, wollen wir am späten Nachmittag los; es ist noch hell, mein Handy zeigt mir 37 Grad an. Daraufhin lasse ich es in meinem Zimmer zurück, weil mich das meinen Wintermantel vermissen lässt. Und natürlich wegen der Messe, die später auf dem Friedhof stattfinden wird und bei der ich nicht unnötige Aufmerksamkeit auf mich ziehen will, falls jemand meint, mich in diesen Stunden erreichen zu müssen.
Als wir das Friedhofsgelände betreten, habe ich das Gefühl, dass ich das Fest nie wieder mit dem Wort „gruselig“ in Verbindung bringen werde: Jedes Grab ist mit weißem Pulver und anschließend mit so vielen leuchtend gelben Blütenblättern überschüttet worden, dass man das Pulver wiederrum nur erahnen kann und der ganze Friedhof wie ein riesiges Blumenmeer wirkt.
Der Friedhof ist voll mit Leuten, Frauen in Saris in allen nur erdenklichen Farben und Mustern, was die Farbpalette des Tages noch größer werden lässt. Niemand trägt hier dunkle Töne, geschweige denn Winterjacken. Alle machen sich eifrig auf, die Gräber ihrer Angehörigen mit noch mehr Blumenschmuck in warmen rot-orange-gelb-Tönen zu verschönern. Und auch Kerzen werden auf die Gräber gestellt oder vielmehr in sie gesteckt, gleich neben den ca. 10 Räucherstäbchen pro Grab, an denen an einem indischen Fest kein Weg vorbei führt. An diesem Punkt bin ich fast froh, dass das Christentum in Indien nur eine Minderheit von 2,3% darstellt. Wären es mehr Christen, müssten wir vor lauter Räucherstäbchen-Qualm auf der Rückfahrt mit Sicherheit das Fernlicht einschalten.
Die Messe beginnt um 17.00 Uhr und findet auf dem Friedhof statt, so dass jeder beim Grab der eigenen Familie bleiben kann. Sie ist auf Telugu, der lokalen Sprache. Ich verstehe demnach nichts, aber das muss ich auch gar nicht. Denn wenn eines bei den vielen Unterschieden gleich bleibt, dann ist es der Glaube, den wir miteinander in der Liturgie teilen.
Langsam dämmert es auch in Indien und es werden die Lichterketten erkennbar, die den Friedhof umsäumen. Ab und an klingelt ein Handy, das des Hauptzelebranten. Er hat es offensichtlich nicht zuhause gelassen. Ihm war auch nicht zu warm. Außerdem ist Indien, was Technik angeht, sowieso immer voll ausgerüstet. Auch die Lautsprecheranlage dröhnt so laut, dass man es vermutlich noch drei Dörfer weiter hören kann.
Barfuß gehen wir zur Kommunion, auch das ist typisch indisch. Nach dem Segen gehen alle, diesmal mit Schuhen, nach Hause – oder bleiben noch auf dem Friedhof; ganz wie man mag.
Dieses Fest auf indisch zu erleben, lässt mich meine Worte vom Anfang vergessen. Eine Winterjacke braucht hier niemand, dunkel wird es zwar schon, aber nicht auf dem Friedhof, der ist hell erleuchtet. Und gruselig ist nur die Tatsache, dass ich es auf einmal gar nicht mehr so gruselig finde.
Christina
Ein Bericht von Hans-Peter
Seit einigen Jahren verfolge ich – wie Sie, die meisten Leser/innen dieser Zeilen – die Aktivitäten des „Freundeskreises Indische Mission Aalen“ durch dessen regelmäßige Berichte: Nicht nur mit einer Mischung aus Interesse und Bewunderung für das dort Geleistete, sondern auch mit einer etwas ungläubigen Faszination. Diese resultiert nicht zuletzt daraus, dass Indien ein uns relativ unbekanntes, weit entferntes Land ist mit einer ganz anderen Kultur und Geschichte als der unseren.
Gelegentliche Spenden zu Weihnachten oder wenn unerwartet Mittel zur Verfügung standen, kamen insbesondere dadurch zustande, dass ich durch die erhaltenen Informationen den Verantwortlichen in Indien und Deutschland Vertrauen entgegenbrachte in dem Sinne, dass die Spenden verantwortungsvoll und allein um der guten Sache willen eingesetzt werden. Diese Sache heißt: Hilfe für die ärmsten der armen Kinder, insbesondere für solche mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung.
Eine gewisse Skepsis über den zielgerichteten und effektiven Einsatz der in Deutschland aufgebrachten Gelder bleibt verständlicherweise bei vielen Spendern bestehen, wird diese doch befördert durch gelegentliche Presseberichte über ineffektiven oder gar erfolglosen Umgang mit Spendengeldern für Projekte in der sogenannten „Dritten Welt“.
Eine von Friedrich Hägele ausgesprochene Einladung, einmal selber mit nach Indien zu fliegen und alle dort von Aalen aus gestarteten Einrichtungen zu besuchen, konnte im Dezember 2015 in die Tat umgesetzt werden: Eine sechsköpfige Gruppe von Interessierten und Neugierigen aus Deutschland setzte sich erwartungsfroh in Frankfurt in den Flieger, um über Dubai in die zentralindische Stadt Hyderabad zu fliegen, die den der Stadt Nandyal – dem Zentrum des Aalener Hilfswerks – nächstgelegenen Flughafen hat.
Was wir vor Ort erfahren und erleben durften, hat uns (abgesehen vom indienerfahrenen Ehepaar Hägele) nicht selten sprichwörtlich die Sprache verschlagen. Als wir sie ein ums andere Mal langsam wiedererlangt hatten, waren die meistgesprochenen Worte: „Unglaublich, was hier geschieht!“, „Faszinierend, diese Menschen hier!“ bis hin zum Lieblingsspruch eines Teilnehmers: „Das ist der helle Wahnsinn!“.
Ehemalige Straßen-, und Slumkinder sowie vormals im zarten Alter von fünf oder sechs Jahren in Ziegeleien oder auf Feldern für einen Hungerlohn arbeitende Kinder jeglicher Religionszugehörigkeit erhalten in den besuchten Einrichtungen etwas für sie bis dato Unvorstellbares: eine Schulausbildung, saubere Kleidung, regelmäßige Mahlzeiten und in den Internaten eine schützende Bleibe. Und sie erfahren – oft erstmals in ihrem Leben – die Zuwendung von Menschen, die nichts anderes im Sinn haben, als ihnen eine menschenwürdige Zukunft zu ermöglichen.
Das Gesagte wird umso bedeutsamer, wenn es sich um behinderte Kinder handelt, die in Indien aufgrund des vorherrschenden sozialen und religiösen Denkens absolut keine Chance auf eine schützende Fürsorge und auf eine schulische bzw. berufliche Perspektive hätten: Hier liegt die Messlatte für die Glaubwürdigkeit und Effektivität eines Hilfswerks noch um einiges höher als bei „normalen“ Schulprojekten in Asien, Afrika oder Lateinamerika.
Eine gewisse Skepsis über den zielgerichteten und effektiven Einsatz der in Deutschland aufgebrachten Gelder bleibt verständlicherweise bei vielen Spendern bestehen, wird diese doch befördert durch gelegentliche Presseberichte über ineffektiven oder gar erfolglosen Umgang mit Spendengeldern für Projekte in der sogenannten „Dritten Welt“.
Eine von Friedrich Hägele ausgesprochene Einladung, einmal selber mit nach Indien zu fliegen und alle dort von Aalen aus gestarteten Einrichtungen zu besuchen, konnte im Dezember 2015 in die Tat umgesetzt werden: Eine sechsköpfige Gruppe von Interessierten und Neugierigen aus Deutschland setzte sich erwartungsfroh in Frankfurt in den Flieger, um über Dubai in die zentralindische Stadt Hyderabad zu fliegen, die den der Stadt Nandyal – dem Zentrum des Aalener Hilfswerks – nächstgelegenen Flughafen hat.
Was wir vor Ort erfahren und erleben durften, hat uns (abgesehen vom indienerfahrenen Ehepaar Hägele) nicht selten sprichwörtlich die Sprache verschlagen. Als wir sie ein ums andere Mal langsam wiedererlangt hatten, waren die meistgesprochenen Worte: „Unglaublich, was hier geschieht!“, „Faszinierend, diese Menschen hier!“ bis hin zum Lieblingsspruch eines Teilnehmers: „Das ist der helle Wahnsinn!“.
Ehemalige Straßen-, und Slumkinder sowie vormals im zarten Alter von fünf oder sechs Jahren in Ziegeleien oder auf Feldern für einen Hungerlohn arbeitende Kinder jeglicher Religionszugehörigkeit erhalten in den besuchten Einrichtungen etwas für sie bis dato Unvorstellbares: eine Schulausbildung, saubere Kleidung, regelmäßige Mahlzeiten und in den Internaten eine schützende Bleibe. Und sie erfahren – oft erstmals in ihrem Leben – die Zuwendung von Menschen, die nichts anderes im Sinn haben, als ihnen eine menschenwürdige Zukunft zu ermöglichen.
Das Gesagte wird umso bedeutsamer, wenn es sich um behinderte Kinder handelt, die in Indien aufgrund des vorherrschenden sozialen und religiösen Denkens absolut keine Chance auf eine schützende Fürsorge und auf eine schulische bzw. berufliche Perspektive hätten: Hier liegt die Messlatte für die Glaubwürdigkeit und Effektivität eines Hilfswerks noch um einiges höher als bei „normalen“ Schulprojekten in Asien, Afrika oder Lateinamerika.
Wir durften erfahren, mit welcher Sorgfalt und Liebe gerade die „Geringsten“ umsorgt und gefördert werden: Die Schulleiter, Lehrer, Sonderpädagogen, sonstigen Angestellten und heimischen Helfer sind mit unermüdlichem, oft kräftezehrendem Einsatz und großem Herzen am Werk, um den vielen Kindern und Jugendlichen eine menschenwürdige Zukunft zu ermöglichen. Wir sind in den besuchten Einrichtungen großartigen Menschen begegnet, die sich bewusst und selbstlos für die ärmsten und am meisten benachteiligten Kinder einsetzen. Sie bewirken durch ihr Tun nicht nur eine lebensverändernde Wandlung von mittlerweile mehreren Tausend Einzelschicksalen. Sie vermögen durch ihr mittlerweile breit angelegtes Wirken in der letzten Konsequenz auch, gesellschaftliche Zustände und Denkmuster langsam aber sicher zum Guten hin zu verändern.
Wir haben mit den Kindern und Jugendlichen viel Zeit verbringen können, mit ihnen gespielt und gesprochen (laut, oder bei den Hörgeschädigten durch das allmählich erlernte Handzeichen-Alphabet und Grundzüge der Gebärdensprache – eine wunderbare Erfahrung!). Ausnahmslos alle Kinder und Jugendliche sind ungemein dankbar für die ihnen gewährte Möglichkeit, eine Schule besuchen zu können und damit eine Chance auf ein besseres Leben zu erhalten.
Dies alles ist nur möglich, weil sich viele Menschen in Deutschland von der Begeisterung der Familie Hägele anstecken ließen und lassen, aus Überzeugung Gutes tun möchten und regelmäßig oder zu besonderen Anlässen den Freundeskreis unterstützen.
Liebe Leser/innen dieser Zeilen, Sie erhalten regelmäßig Informationen über die mittlerweile nicht wenigen Orte rund um die Stadt Nandyal, die mittlerweile von Aalen aus und mit Unterstützung kompetenter indischer Partner aufrecht erhalten werden. Zu diesen Partnern zählen hilfsbereite Nachbarn ebenso wie einflussreiche Personen aus hohen kirchlichen und bundesstaatlichen Ebenen. Nur mit der Unterstützung erfahrener und wohlgesonnener Kräfte „vor Ort“ kann Hilfe von Deutschland aus erfolgreich sein. Diese Personen sind glücklicherweise in ausreichender Zahl vorhanden. Zu ihnen zählen Bischof Anthony, Dekan Marreddy und eine Vielzahl von hervorragend ausgebildeten Ordensschwestern sowie Verwaltungsangestellte, die wir alle besucht haben und mit denen wir sprechen konnten.
Über die Schule „Navajeevan“ (= neues Leben) hinaus existieren inzwischen acht Schulen in einem Umkreis von ca. 30 km, in denen mit Unterstützung aus Deutschland Großes geleistet wird. Dies stellt nicht etwa eine lokale „Verzettelung“ der Aktivitäten dar, sondern ist vielmehr die Konsequenz aus der mittlerweile immer weitere Kreise ziehenden, erfolgreichen Arbeit für die Kinder in dieser Region.
Das nun schon seit über 25 Jahren bewährte Erfolgsrezept des Aalener Hilfswerks sieht folgendermaßen aus: Eine neue Schule wird gebaut, der „Anschub“ für die schulische Infrastruktur finanziert, doch dann wird das Ensemble möglichst rasch in die Hände von vor Ort wirkenden Ordensgemeinschaften übergeben. Diese sind fortan für alle laufenden Kosten (Lehrergehälter, Ernährung und medizinische Versorgung der Schüler, etc.) verantwortlich, so dass nicht mehr ständig Mittel für das jeweilige Projekt aufgebracht werden müssen. Weitere externe Hilfe wird dann nur noch benötigt bei größeren Neuanschaffungen oder Erweiterungsbauten, was praktisch in jeder Schule früher oder später dringlich wird.
Bei unserem Besuch wurden wir gebeten, etwa eine neue, solarbetriebene Küche für eine Schule zu finanzieren. In einer anderen Schule muss aufgrund gestiegener Schülerzahlen ein Schultrakt um ein ganzes Stockwerk erweitert werden – mit Gesamt-Investitionssummen, für die man bei uns nicht einmal einen Architekten bezahlen kann. Über diese Maßnahmen wird dann jeweils in verantwortungsvoller Weise von Dekan Marreddy und Friedrich Hägele gemeinsam entschieden; beide stehen im ständigen Austausch über den Fortgang aller Projekte. Dieses Erfolgsrezept versetzt das Hilfswerk in die Lage, immer weitere Kreise zu ziehen und dem in dieser Region vorherrschenden Elend auf immer breiterer Front zu begegnen.
Sehr erfolgreich gestaltet sich auch die Zusammenarbeit mit kirchlichen Einrichtungen in Deutschland, von einzelnen Kirchengemeinden über Bistümer bis hin zu bundesweiten Institutionen wie Missio in Aachen oder dem Päpstlichen Missionswerk der Kinder (Sternsingergelder): Sind für ein bestimmtes Projekt 50% der erforderlichen Mittel durch eigene Spenden zusammengekommen, übernehmen einige Institutionen die komplette andere Hälfte (!) der veranschlagten Summe, was die Arbeit des Hilfswerks natürlich enorm erleichtert und noch effektiver werden lässt.
Ich kann aus der kürzlich selber in Indien gemachten Erfahrung bestätigen, dass in Nandyal genau das geschieht, was jede Spenderin und jeder Spender hierzulande erwartet: Die absolut zuverlässige und verantwortungsvolle Verwendung der Spenden, die ausschließlich eingesetzt werden, um den vorgesehenen Empfängern, den im Elend lebenden Kindern, zu helfen. Ich bin sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte, die enorme Effektivität der geleisteten Hilfe selber in Augenschein zu nehmen und in der Heimat darüber berichten zu können.
Manchmal werde ich gefragt: „Warum soll man hier in Deutschland so weit von uns entfernt lebende Kinder unterstützen? Soll der dortige Staat sich doch erst einmal selber um sie kümmern. Auch hier in Deutschland gibt es arme Menschen, die Hilfe bedürfen.“ Das ist alles nicht falsch. Aber es geht nicht um ein „Ausspielen“ der einen gegen die anderen Hilfsbedürftigen. Und jede/r soll sich dort engagieren, wo sie/er es für richtig hält. Zu bedenken geben kann man dann den Unterschied zwischen „relativer“ Armut (die in unseren westlichen Ländern anzutreffen ist) und „absoluter“ Armut, bei der die Menschen täglich ums Überleben kämpfen müssen und ohne fremde Hilfe dem größten Elend ausgesetzt sind und bleiben. Diese Armut ist in Indien leider immer noch sehr weit verbreitet und stellt eine bleibende Herausforderung für uns reiche Europäer dar.
Wer einmal vor Ort in die fröhlichen, aufrichtigen und dankbaren Augen hunderter von Kindern geblickt hat, die ohne unsere Hilfe immer noch unter Plastikplanen schlafen und für einen Hungerlohn Erwachsenenarbeit in Steinbrüchen oder auf Feldern verrichten müssten, für den stellt sich die oben genannte Frage nach dem Sinn unserer „interkontinentalen“ Hilfe gar nicht mehr. Er freut sich vielmehr unbeschreiblich an der Möglichkeit, diese Menschen – egal wie viele Flugstunden entfernt von uns sie leben – mit für ihn relativ geringem Aufwand unsäglich glücklich zu machen und dem Wort Jesu Folge leisten zu können: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40).
Nach allem, was ich in Indien gesehen und erlebt habe, lautet mein Resümee: Die mittlerweile langjährige, teilweise harte Arbeit der Verantwortlichen in Indien und Deutschland hat bisher große Früchte getragen! Ermöglicht wird dies erst durch viele Unterstützer des „Freundeskreises Indische Mission Aalen“. Egal, ob eine große oder kleine Einzelspende oder eine Patenschaft für 15,- Euro monatlich: Ihre Hilfe verhilft unzähligen jungen Menschen zu einem glücklichen, nie für möglich gehaltenen neuen Leben mit ungeahnten Zukunftsperspektiven. Ihre Hilfe stellt einen nicht hoch genug einzuschätzenden, sichtbaren und nachhaltigen Segen dar!
Dies alles ist nur möglich, weil sich viele Menschen in Deutschland von der Begeisterung der Familie Hägele anstecken ließen und lassen, aus Überzeugung Gutes tun möchten und regelmäßig oder zu besonderen Anlässen den Freundeskreis unterstützen.
Liebe Leser/innen dieser Zeilen, Sie erhalten regelmäßig Informationen über die mittlerweile nicht wenigen Orte rund um die Stadt Nandyal, die mittlerweile von Aalen aus und mit Unterstützung kompetenter indischer Partner aufrecht erhalten werden. Zu diesen Partnern zählen hilfsbereite Nachbarn ebenso wie einflussreiche Personen aus hohen kirchlichen und bundesstaatlichen Ebenen. Nur mit der Unterstützung erfahrener und wohlgesonnener Kräfte „vor Ort“ kann Hilfe von Deutschland aus erfolgreich sein. Diese Personen sind glücklicherweise in ausreichender Zahl vorhanden. Zu ihnen zählen Bischof Anthony, Dekan Marreddy und eine Vielzahl von hervorragend ausgebildeten Ordensschwestern sowie Verwaltungsangestellte, die wir alle besucht haben und mit denen wir sprechen konnten.
Über die Schule „Navajeevan“ (= neues Leben) hinaus existieren inzwischen acht Schulen in einem Umkreis von ca. 30 km, in denen mit Unterstützung aus Deutschland Großes geleistet wird. Dies stellt nicht etwa eine lokale „Verzettelung“ der Aktivitäten dar, sondern ist vielmehr die Konsequenz aus der mittlerweile immer weitere Kreise ziehenden, erfolgreichen Arbeit für die Kinder in dieser Region.
Das nun schon seit über 25 Jahren bewährte Erfolgsrezept des Aalener Hilfswerks sieht folgendermaßen aus: Eine neue Schule wird gebaut, der „Anschub“ für die schulische Infrastruktur finanziert, doch dann wird das Ensemble möglichst rasch in die Hände von vor Ort wirkenden Ordensgemeinschaften übergeben. Diese sind fortan für alle laufenden Kosten (Lehrergehälter, Ernährung und medizinische Versorgung der Schüler, etc.) verantwortlich, so dass nicht mehr ständig Mittel für das jeweilige Projekt aufgebracht werden müssen. Weitere externe Hilfe wird dann nur noch benötigt bei größeren Neuanschaffungen oder Erweiterungsbauten, was praktisch in jeder Schule früher oder später dringlich wird.
Bei unserem Besuch wurden wir gebeten, etwa eine neue, solarbetriebene Küche für eine Schule zu finanzieren. In einer anderen Schule muss aufgrund gestiegener Schülerzahlen ein Schultrakt um ein ganzes Stockwerk erweitert werden – mit Gesamt-Investitionssummen, für die man bei uns nicht einmal einen Architekten bezahlen kann. Über diese Maßnahmen wird dann jeweils in verantwortungsvoller Weise von Dekan Marreddy und Friedrich Hägele gemeinsam entschieden; beide stehen im ständigen Austausch über den Fortgang aller Projekte. Dieses Erfolgsrezept versetzt das Hilfswerk in die Lage, immer weitere Kreise zu ziehen und dem in dieser Region vorherrschenden Elend auf immer breiterer Front zu begegnen.
Sehr erfolgreich gestaltet sich auch die Zusammenarbeit mit kirchlichen Einrichtungen in Deutschland, von einzelnen Kirchengemeinden über Bistümer bis hin zu bundesweiten Institutionen wie Missio in Aachen oder dem Päpstlichen Missionswerk der Kinder (Sternsingergelder): Sind für ein bestimmtes Projekt 50% der erforderlichen Mittel durch eigene Spenden zusammengekommen, übernehmen einige Institutionen die komplette andere Hälfte (!) der veranschlagten Summe, was die Arbeit des Hilfswerks natürlich enorm erleichtert und noch effektiver werden lässt.
Ich kann aus der kürzlich selber in Indien gemachten Erfahrung bestätigen, dass in Nandyal genau das geschieht, was jede Spenderin und jeder Spender hierzulande erwartet: Die absolut zuverlässige und verantwortungsvolle Verwendung der Spenden, die ausschließlich eingesetzt werden, um den vorgesehenen Empfängern, den im Elend lebenden Kindern, zu helfen. Ich bin sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte, die enorme Effektivität der geleisteten Hilfe selber in Augenschein zu nehmen und in der Heimat darüber berichten zu können.
Manchmal werde ich gefragt: „Warum soll man hier in Deutschland so weit von uns entfernt lebende Kinder unterstützen? Soll der dortige Staat sich doch erst einmal selber um sie kümmern. Auch hier in Deutschland gibt es arme Menschen, die Hilfe bedürfen.“ Das ist alles nicht falsch. Aber es geht nicht um ein „Ausspielen“ der einen gegen die anderen Hilfsbedürftigen. Und jede/r soll sich dort engagieren, wo sie/er es für richtig hält. Zu bedenken geben kann man dann den Unterschied zwischen „relativer“ Armut (die in unseren westlichen Ländern anzutreffen ist) und „absoluter“ Armut, bei der die Menschen täglich ums Überleben kämpfen müssen und ohne fremde Hilfe dem größten Elend ausgesetzt sind und bleiben. Diese Armut ist in Indien leider immer noch sehr weit verbreitet und stellt eine bleibende Herausforderung für uns reiche Europäer dar.
Wer einmal vor Ort in die fröhlichen, aufrichtigen und dankbaren Augen hunderter von Kindern geblickt hat, die ohne unsere Hilfe immer noch unter Plastikplanen schlafen und für einen Hungerlohn Erwachsenenarbeit in Steinbrüchen oder auf Feldern verrichten müssten, für den stellt sich die oben genannte Frage nach dem Sinn unserer „interkontinentalen“ Hilfe gar nicht mehr. Er freut sich vielmehr unbeschreiblich an der Möglichkeit, diese Menschen – egal wie viele Flugstunden entfernt von uns sie leben – mit für ihn relativ geringem Aufwand unsäglich glücklich zu machen und dem Wort Jesu Folge leisten zu können: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40).
Nach allem, was ich in Indien gesehen und erlebt habe, lautet mein Resümee: Die mittlerweile langjährige, teilweise harte Arbeit der Verantwortlichen in Indien und Deutschland hat bisher große Früchte getragen! Ermöglicht wird dies erst durch viele Unterstützer des „Freundeskreises Indische Mission Aalen“. Egal, ob eine große oder kleine Einzelspende oder eine Patenschaft für 15,- Euro monatlich: Ihre Hilfe verhilft unzähligen jungen Menschen zu einem glücklichen, nie für möglich gehaltenen neuen Leben mit ungeahnten Zukunftsperspektiven. Ihre Hilfe stellt einen nicht hoch genug einzuschätzenden, sichtbaren und nachhaltigen Segen dar!
Auch wenn sich Ihnen niemals die Gelegenheit bieten sollte, die Einrichtungen in Indien persönlich zu besuchen (was insgesamt schon mehr als 100 Spender in den letzten Jahren tun konnten), so haben Sie doch die Chance, durch Ihr Engagement am Gelingen des gesamten Unternehmens mitzuwirken, Elend zu beenden und Armut, Lethargie und Hoffnungslosigkeit so vieler Kinder in Freude, Glück und Würde zu verwandeln.
Es geschieht. Mittlerweile tausendfach. Danke dafür.
Hans-Peter
Es geschieht. Mittlerweile tausendfach. Danke dafür.
Hans-Peter
Ein Bericht von Katrin
Sonderschullehrerin für Gehörlosenpädagogik
… Wenn man das Gelände von Navejeevan betritt, säumen liebevoll gepflegte Blumen und Bäume sowie ein Kinderspielplatz den Weg zum Schulhof. Der Schulhof dient als Versammlungs- und Studienort mit Freiluftbühne, als Spielfeld und Informationsquelle. Speisesaal und Küche schließen sich an den Schulhof an. Hier herrscht eine warme, herzliche Atmosphäre. In Navajeevan wird viel gelacht. Ich konnte mich davon überzeugen, wie glücklich die Kinder in Navajeevan sind und wie stark der Zusammenhalt untereinander ist.
Hörgeschädigte Kinder sind eine Last für die Familien in den indischen Dörfern. Sie sitzen vernachlässigt und unterernährt ohne Zukunftsperspektive in den Straßen. Sie haben keine sozialen Kontakte, weil sie nicht mit den anderen Dorfkindern kommunizieren können. Sie sind Außenseiter und isoliert von der Dorfgemeinschaft. Auch die Eltern sind überfordert. Bei der Ankunft in Navajeevan steht den Kindern Angst und Einsamkeit in die kleinen Gesichter geschrieben. Sie werden von den anderen Schülern herzlich aufgenommen und umsorgt. Innerhalb von nur zwei Wochen werden aus diesen armseligen Geschöpfen lachende, fröhliche Kinder, die sich angeregt anhand der neu erlernten Gebärden unterhalten können und die ganz selbstverständlich ein Teil dieser Gemeinschaft geworden sind. In Navajeevan können sie nun Kulturtechniken und Wissen erwerben.
Die Abgangsschüler der 10. Klasse schneiden in den staatlichen Prüfungen immer sehr gut ab, viele von ihnen gewinnen Preise. Die Eltern lernen ihre Kinder zu akzeptieren. Diese Schule ist für die hörgeschädigten Kinder das größte Glück, das ihnen widerfahren kann. (…)
Katrin
… Wenn man das Gelände von Navejeevan betritt, säumen liebevoll gepflegte Blumen und Bäume sowie ein Kinderspielplatz den Weg zum Schulhof. Der Schulhof dient als Versammlungs- und Studienort mit Freiluftbühne, als Spielfeld und Informationsquelle. Speisesaal und Küche schließen sich an den Schulhof an. Hier herrscht eine warme, herzliche Atmosphäre. In Navajeevan wird viel gelacht. Ich konnte mich davon überzeugen, wie glücklich die Kinder in Navajeevan sind und wie stark der Zusammenhalt untereinander ist.
Hörgeschädigte Kinder sind eine Last für die Familien in den indischen Dörfern. Sie sitzen vernachlässigt und unterernährt ohne Zukunftsperspektive in den Straßen. Sie haben keine sozialen Kontakte, weil sie nicht mit den anderen Dorfkindern kommunizieren können. Sie sind Außenseiter und isoliert von der Dorfgemeinschaft. Auch die Eltern sind überfordert. Bei der Ankunft in Navajeevan steht den Kindern Angst und Einsamkeit in die kleinen Gesichter geschrieben. Sie werden von den anderen Schülern herzlich aufgenommen und umsorgt. Innerhalb von nur zwei Wochen werden aus diesen armseligen Geschöpfen lachende, fröhliche Kinder, die sich angeregt anhand der neu erlernten Gebärden unterhalten können und die ganz selbstverständlich ein Teil dieser Gemeinschaft geworden sind. In Navajeevan können sie nun Kulturtechniken und Wissen erwerben.
Die Abgangsschüler der 10. Klasse schneiden in den staatlichen Prüfungen immer sehr gut ab, viele von ihnen gewinnen Preise. Die Eltern lernen ihre Kinder zu akzeptieren. Diese Schule ist für die hörgeschädigten Kinder das größte Glück, das ihnen widerfahren kann. (…)
Katrin
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