Das Paralleltandem
Vorneweg, da ich oft gefragt werde, nein ich verkaufe keine solchen Räder, ich habe es für meine Partnerin (sie hat eine Muskelerkrankung) und mich gebaut. Der Vorteil eines Paralleltandems gegenüber dem herkömmlichen Seriell-Tandem ist eben, dass ein Gleichgewichthalten nicht erforderlich ist, und dass der Beifahrer nicht zwingend Mittreten muss, sondern die Füße auch auf den unbewegten Pedalen ruhen lassen kann.
Hier aber eine keine Bauanleitung:
Man verwende zwei baugleiche Damenräder mit Stahlrahmen. Dies ist wichtig, denn die Kreuzverstrebungen benötigen ein Doppelrohr, daher Damenrad. Aluminium wiederum wäre zu wenig elastisch, es neigt stattdessen zu Spontanbrüchen, ebenfalls Kohlefaser ist hier ein no-go. Der Abstand zwischen beiden Rädern (mittig vom Gestänge gerechnet) beträgt 66,5 cm. Somit liegt man mit dem äußeren der Pedalen beider Räder noch unter einem Meter. Ein Meter breit sind i.d.R. die Absperrungen zu Fahrradbereichen, diese können also gut passiert werden.
Zwei solcher Gabelgelenke (Innengewinde M8) werden benötigt, sie verbinden die beiden Räder durch die Sattelstützenschraubenlöcher. In diese eingeschraubt M8-Edelstahl-Gewindestangen. Diese wiederum gegen zu starkes Verbiegen mit Edelstahlstangen (Innendurchmesser 8 mm) geschützt. In der Mitte, wie unten zu sehen ist, sind zwei Kontermuttern, diese sind nicht zwingend erforderlich, sind aber sehr hilfreich zum festhalten des Gestänges mit einem Gabelschlüssel während der Montage. Beide Gabelgelenke sind gegeneinander um 90° gekippt. Gegenüber der absoluten Senkrechte (und somit auch Waagrechte) sind diese um jeweils 45° gekippt.
So sind beide Räder in sich noch ein wenig flexibel, sodass der Rahmen nicht zu sehr belastet wird, wenn man mit einem der vier Räder den Randstein nach oben, oder nach unten fährt.
Die Vorderräder verbindet eine doppelte Pleuelstange. Das ist jeweils ein Flachstahl als Pleuelstange der in einem L-Stahl an dem Vorderrad eingehängt ist. Hierzu eignen sich eine M8 Schraube und eine Hutmutter. Die Hutmutter kann mit Sekundenkleber festgemacht werden. Zuvor aber testen, dass diese nicht so fest sitzt, dass es die Gelenkigkeit einschränkt. Anschließend: Schmierfett verwenden.
Doppelt ist wichtig für die Sicherheit, falls eine mal Pleuelstange herausfallen sollte. Dies ist aber seit Erschaffung des Rades nie passiert. Man verwende überall Sicherungsmuttern. Die Aufhängung der Pleuelstangen hat exakt im rechten Winkel zu den Lenkerachsen zu erfolgen, sonst wird das Lenken sehr schwer.
Eine Dreieckverbindung muss auch noch in die Längsrichtung des Rades eingebaut werden. So verhindert man Scherkräfte auf die Verbindungen, wenn nur eine Person bremst oder anfährt.
Die Stangen sind mit einer Gummimatte (oder ähnlichem) gegen Schienbeinverletzungen abgepuffert. Beim Lenker des Beifahrer-Rad ist die Feststellschraube im Tauchrohr herausgenommen, dafür ist der Lenker unflexibel mit einem L-Stahl am Rahmen befestigt. Er dient also nur zum festhalten, bremsen oder bedienen der Gangschaltung.
Material: 2 Räder; Auspuffschellen und L-Stahl; Zapfengelenke
Nachbauen gerne, jedoch nur für technisch versierte Menschen.
Ich kann keinen Bauplan senden, hab’s selbst nur frei Schnauze gebaut, das erste Tandem hatte 9 Jahre gehalten ohne jedes Rahmenproblem. Die Vorderräder sind, wie geschrieben, mit einer doppelten Pleuelstange verbunden, das Tauchrohr des Beifahrer-Lenkers, ist deaktiviert, NUR EINE PERSON LENKT(!).
Wir können damit zwar nicht übers Wasser gehen, aber radeln, wenn es zugefroren ist.
Empfohlen ist ein maximales Gewicht pro Fahrer von etwa 70 kg, da sonst die Scherkräfte auf die Schweißstellen des Fahrradrahmens in den Kurven zu hoch wären. Wie man sieht ist das Paralleltandem durch die Flexibilität in sich auch recht gut geländegängig. Empfohlen sind Auspuffschellen mit Sicherungsmuttern festgeschraubt und L-Stahl für die Stabilität. Für die Sattelrohrschrauben nimmt man eine Edelstahl-Gewindestange.
Unten nochmal gut sichtbar am vorigen Parallel-Tandem, wie das Gestänge angeordnet werden muss, damit das Rad stabil genug aufgebaut ist.
Keine Garantien oder Haftungen bei Nachbau.
Viel Spaß und Erfolg allen, die es nachbauen möchten, wie gesagt keine Garantie und Haftung.
Ach ja und viele "Oberschlaue" wollten mir die Konstruktion ausreden, sie meinten ich würde Ärger mit der Polizei bekommen. Das einzige in den letzten 10 Jahren: wir wurden von einem Polizei-Motorrad überholt und der freundliche Polizist rief:
👮🏻♂️"Das Hinterrad eiert!" Man achte einfach auf die breiteren Ausmaße und füge sich damit verantwortungsvoll in den Verkehr ein. Ich sprach auch mit einem Mann vom TÜV er meinte, das sei zulässig. Es könnte allenfalls mal sein, dass jemand von der Polizei anordne, dass man dieses Gefährt beim TÜV auf dessen Verkehrssicherheit überprüfen lassen müsse. (Nie geschehen)
============Gute Fahrt!============